Lisa`s Leben im Bauwagen

Freudig kommt uns Lisa (11) aus einem Bauwagen entgegengelaufen, nachdem sie uns bemerkt hat. Sie strahlt über das ganze Gesicht und lachend werden wir umarmt. Dann ruft sie ihre Mutter Liana und die Geschwister Lilith (9) und Onik (15). Für die Familie ist es etwas Besonderes, dass wir sie besuchen. Auch wir freuen uns sehr, sie wiederzusehen. Zum Lachen ist uns nicht zu Mute, als wir den Bauwagen sehen. Gerade, als wir die mitgebrachten Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Schulsachen und Geschenke für die Kinder überreichen, werden Kühe direkt neben uns in den Stall getrieben.

Vor einiger Zeit mussten sie ihre bisherige Wohnung verlassen. Doch wohin? Sie hatten nur eine Alternative, ohne obdachlos zu werden. Der alte 15 qm große Bauwagen, in dem der Vater sich wochentags aufhielt. Sein Chef hatte ihm diesen zeitweise auf seinem Grundstück zur Verfügung gestellt damit er dessen Kühe beaufsichtigt. Und so ist Lisa mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern mit ihren wenigen Habseligkeiten in den Bauwagen gezogen, in dem wir jetzt stehen.

Die Situation erscheint uns unwirklich. Es ist eng, die Luft stickig und sehr heiß. Zahllose Fliegen schwirren umher. Es ist kaum auszuhalten. Doch Lisa lacht immer noch und legt die von uns mitgebrachten Schulsachen auf eines der beiden Betten, dass sie sich mit ihrer Schwester teilt. Mit dem zweiten Bett, indem ihr Bruder schläft, wird ein großer Teil des Raumes gefüllt, den die Familie zum Wohnen bräuchte. Wir schauen auf den alten, kaputten Tisch und stellen uns vor, wie Lisa ihre Hausaufgaben in dieser Umgebung schreibt. Zwei Stühle müssen für alle reichen. Eine Küche gibt es nicht. Nirgendwo können wir ausreichend Geschirr und Töpfe entdecken. Noch schlimmer ist jedoch, dass es keine Toilette gibt. Wir sind erschüttert und den Tränen nahe.

Eigentlich sollte der Bauwagen eine Übergangslösung sein…

Doch die Realität sieht anders aus. Und so langsam schwindet bei der Familie die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Wir sind unglaublich traurig, dass Lisa mit ihrer Familie in solchen schwierigen Verhältnissen leben muss und gehen wieder vor den Bauwagen. Wir setzen uns auf ein altes Drahtbett, das zum Schlafen nicht mehr benutzt werden kann. Die Sonne scheint. Jetzt kann die Familie noch tagsüber im Freien verbringen und die Kinder haben Platz zum Spielen. Doch nun steht der Winter bevor und sie hoffen, dass sie ausreichend Brennmaterial bekommen werden, um den Bauwagen zu heizen. Die wenigen Äste und Zweige die sie bisher gesammelt haben werden nicht ausreichen.

Nach einiger Zeit spricht Liana über ihren Traum von einer glücklichen Familie: „Eine warme Wohnung mit Küche, Bad und Toilette. Ein eigenes Bett für jedes Kind. Ein Ort, wo die Kinder auch ihre Freunde einladen können. Einen großen Tisch, an dem sie gemeinsam essen und die Kinder ihre Hausaufgaben erledigen können. Saubere Kleidung, die statt mit der Hand mit einer Waschmaschine gewaschen werden kann und Spielzeug für die Kinder“.

Trotz der Realität ihrer Lebensumstände ist sie dankbar: „Gott sei Dank, dass wir nicht auf der Straße leben müssen und wenigstens diesen Bauwagen haben. Alles, was wir haben, ist mehr als nichts. Für jede noch so kleine Verbesserung wären wir so dankbar und würden wissen, dass wir unsere Träume nicht aufgeben müssen“, sagt sie hoffnungsvoll weiter.

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